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Accessoire manch gefährlicher Liebschaft – Fächer-Schau in Krefeld
Veröffentlicht am: 14.03.2025
Volontärin Jeanne Spriet in der Kabinett-Ausstellung im Deutschen Textilmuseum Krefeld.
Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation
Jean-Pierre Duvelleroy, ein Pariser Fächerhersteller und -händler, veröffentlichte 1827 eine Broschüre, die sehr schnell sehr populär wurde. Darin erläuterte er erstmals die verschlüsselten Botschaften von bestimmten Fächergesten, einer gewissen Geheimsprache. Frauen konnten so eher beiläufig dem ein oder anderen kundigen Herren eine eindeutige Nachricht zukommen lassen. Einen Fächer mit der linken Hand vor dem Gesicht tragen, bedeutete beispielsweise „Begierig auf Bekanntschaft", oder über die Wange gleiten lassen, hieß ,,Ich liebe dich". Die Kabinett-Ausstellung „C'est dans l'air" (Es liegt wohl etwas in der Luft) im Deutschen Textilmuseum Krefeld widmet sich ab Sonntag, 16. März, diesem Accessoire manch gefährlicher Liebschaft.
Französische Sammlerin aus Metz
Das Deutsche Textilmuseum erhielt 2023 eine Sammlung von 17 Fächern aus dem Zeitraum zwischen dem 18. und dem frühen 20. Jahrhundert als Schenkung von der französischen Sammlerin Nicole Lecas aus Metz. Nun sollte es die Aufgabe von Volontärin Jeanne Spriet werden, diesen Neuzugang für das Haus am Andreasmarkt wissenschaftlich zu erfassen und für eine Ausstellung vorzubereiten. „Das ist ein traumhaftes Volontariat, in dem ich mit allen im Museum zusammenarbeiten konnte. Es hat mir von Beginn an viel Spaß gemacht", schwärmt Spriet. Vom Präsentationskonzept, über die Recherche in der hauptsächlich englischen und französischen Fachliteratur bis zur Katalogerstellung sollte sie federführend das Projekt umsetzen - eine typische Aufgabenstellung für eine wissenschaftliche Volontärin an einem Museum. Dazu gehörte unter anderem die Zusammenarbeit mit der Restauratorin Katja Wagner, die spezielle Halterungen für jeden der zu sehenden Fächern einzeln anfertigte. „Die Kunst besteht darin, dass es für den Besucher so gut wie nicht sichtbar ist", erklärt Museumsleiterin Dr. Annette Schieck.
Spiegel erweitern den Blick
Die Kabinett-Ausstellung (bis 10. August) auf der ersten Museumsetage versammelt erstmals alle Objekte der Schenkung, die aus vielen unterschiedlichen Materialen hergestellt worden sind. „Die Fächer-Schenkung ergänzt maßgeblich den bisherigen, übersichtlichen Museumsbestand, der sich aus Einzelobjekten wie Federfächern zusammensetzt", sagt die stellvertretende Museumsleiterin Dr. Isa Fleischmann-Heck. Diese neuen Exponate werden in der Ausstellung ergänzt um zwei seltene Original-Fächer-Boxen, einem thematischen Hermes-Halstuch, Kleidern, zeitgenössischen Zeichnungen und weiteren Accessoires. Einige Texttafeln führen in die Schau ein und erläutern die Exponate. In wenigen Vitrinen ermöglichen Spiegel auch einen Blick auf die andere, sonst verdeckte Seite der Fächer. Eine Nische lädt zum Verweilen in der Ausstellung ein, um dort auch im Katalog zu blättern.
Die Kabinett-Ausstellung „C'est dans l'air - Fächer des 18. bis 20. Jahrhunderts" wird ab 16. März gezeigt. Es gibt ein spezielles Begleitprogramm. Zudem ist ein Katalog erschienen, der im Museumsshop für 18 Euro erhältlich ist. Die Fächer der Ausstellung und andere Fächer werden in diesem Jahr noch im Online-Bestandskatalog des Museums mit Erläuterungen zu finden sein. Weitere Information stehen unter www.deutschestextilmuseum.de. Dort finden sich auch ausführliche Schilderungen zur aktuellen Hauptausstellung „Zwiegespräche mit Fotografien von Corina Gertz". Der Eintritt für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre in das Museum am Andreasmarkt ist kostenfrei.