Inhaltsbereich
Familienberatung bietet wichtige Hilfe in heiklen Lebenslagen
Veröffentlicht am: 01.04.2025
Vanessa Düfer (v. li.), Carina Imhoff, Laura Kersten, Sarah Thiel und Anne Lorth vom Team der Familienberatung unterstützen Krefelder Familien in heiklen Lebenslagen.
Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, A. Bischof
Melanie und David (Name geändert, beide 35) sind schon lange kein Liebespaar mehr. Daran haben sie sich gewöhnt, das kennen mittlerweile auch ihre beiden Kinder, die sieben und fünf Jahre alt sind, nicht anders. Eigentlich funktionieren sie als Trennungsfamilie. Immerhin waren Melanie und David neun Jahre zusammen, heirateten, bekamen gemeinsam die zwei wichtigsten Menschen ihres Lebens. Und auch heute schätzen sich die beiden wert. Seit 2021 leben die Kinder bei der Mutter, David sah sie in der Regel alle zwei Wochenenden. Beide haben neue Partner, die Kinder kommen in den zwei Patchwork-Familien gut zurecht. In Erziehungsfragen waren sich Melanie und David grundsätzlich einig. Doch allmählich stellte sich mit den Jahren ein störendes Unbehagen im gegenseitigen Umgang ein. Sie fühlte sich oft unverstanden und reagierte impulsiv, wenn er Änderungsideen anbrachte. Ihre Kommunikation war irgendwann voller Vorwürfe und Missverständnisse. Sie drohten nun auch als Elternpaar auseinanderzufallen.
Hilfe und Unterstützung in sämtlichen Lebenslagen
„Die Gesamtsituation war einfach nicht mehr optimal für die Kinder und uns. Wir hatten beide unsere Bedürfnisse und kamen nicht mehr auf einen Nenner", erinnert sich Melanie. Trotz der verfahrenen Lage verständigten sie und ihr Ex-Partner sich noch einvernehmlich darauf, externe Hilfe zu suchen. Über einen Tipp in der Kita landeten sie bei der Familienberatung im Familienberatungszentrum (FBZ) der Stadt Krefeld. Hier sind die Mitarbeitenden auf solche Anliegen vorbereitet. Sie leisten Hilfe und Unterstützung für Krefelder Familien in sämtlichen Lebenslagen. Die Familienberatung ist die zentrale erste Anlauf- und Leitstelle des städtischen Fachbereichs Jugendhilfe und Beschäftigungsförderung. Sie fängt die Ratsuchenden auf und lotst sie zur passenden Hilfe.
Die Ursachen für eine Beratung sind so unterschiedlich wie die Klienten. Meistens geht es neben allgemeinen Beratungen, zum Beispiel zu Erziehungsfragen, um Umgangs-, Trennungs- und Scheidungsberatungen. Hier melden sich Familien, Alleinerziehende, junge Erwachsene oder Kinder aus allen sozioökonomischen Schichten. Häufig bringen sie Streit um das Sorgerecht mit, mal geht es um Überforderungen mit den Kindern, vielen fehlt eine ganz grundsätzliche familiäre Struktur. „Bei uns haben alle einen uneingeschränkten Beratungsanspruch. Und wir begleiten sie so lange, bis die passende Unterstützung da ist oder diese nicht mehr benötigt wird", sagt Gruppenleiterin Vanessa Düfer.
Ihr neunköpfiges Team überblickt das breite Netzwerk an Angeboten und Kooperationspartnern in Krefeld fast lückenlos. Die Mitarbeitenden wissen, welches Hilfesystem in den verschiedenen Fällen am besten andockt. „In einem ersten Schritt eruieren wir immer den Handlungsbedarf und welche Unterstützungsmaßnahmen konkret notwendig sind", erklärt Vanessa Düfer. Manchmal können sie und ihre Kolleginnen die Klienten direkt zur entsprechenden Fachstelle übermitteln. Meistens aber formen sie nach einer ersten sozialpädagogischen Anamnese ein passgenaues Hilfsangebot, das sie über mehrere Gesprächstermine selbst begleiten. Pro Quartal nimmt die Familienberatung zwischen 100 und 115 neue Anliegen auf, aktuell betreut sie 75 laufende Fälle.
„Ich habe zunächst den Druck rausgenommen"
Als Melanie und David im Spätsommer des vergangenen Jahres ihr Erstgespräch im FBZ hatten, dachten sie den Kern ihrer Kontroverse zu kennen: Er wollte ein neues Umgangsmodell erproben, sie war strikt dagegen. Ihre Beraterin Anne Lorth erkannte schnell, dass sich hinter dem vermeintlichen Problem ein grundsätzlicher Konflikt verbarg. „Das Hauptthema war ein anderes. Bei den beiden hakte es in der Kommunikation. Da hatte sich sehr viel angestaut", sagt die Sozialpädagogin. „Ich habe zunächst den Druck rausgenommen. Gemeinsam haben wir dann schrittweise angefangen, die Lage zu sortieren." Im Nachgang an das Gespräch fasste Anne Lorth ihre Bestandsanalyse und erste Lösungsansätze in einer Mail an Melanie und David zusammen. Sie hatten ihren Zwist nun als verschriftliche Übersicht aus externer Perspektive. Ein Instrument, das sofort wirkte.
„Es hat sehr gut getan, dass da plötzlich eine neutrale Person war, die die Situation objektiv beurteilt und in eine richtige Richtung lenkt. Wir konnten unsere Probleme endlich besser lokalisieren. Nach dem ersten Gespräch fiel von uns beiden eine richtige Last ab. Das lag vor allem daran, dass uns von Beginn an auf Augenhöhe und mit viel Empathie begegnet wurde", sagt David. Er gibt zu, dass er anfänglich skeptisch war, sich auf fremde Hilfe einzulassen. Unterstützung vom Jugendamt anzunehmen war für ihn, seine Ex-Frau und ihr Selbstverständnis etwas Neues.
Problemlagen früh erfassen und eindämmen
Die Familienberatung am Ostwall 107 gibt es seit 2021. Vorher fiel eine solche Hilfe in den Aufgabenbereich der dezentral organisierten Bezirkssozialarbeit. Die Umstrukturierung gründete auf mehreren Überlegungen: Einerseits sollten Krefelder Familien eine feste Anlaufstelle in Innenstadtlage haben. Zweitens sollten sie die Möglichkeit erhalten, ein Erstgespräch anders als vorher ohne Termin in Anspruch nehmen zu können. Darüber hinaus wurde die Bezirkssozialarbeit auf diese Weise entlastet. Die Familienberatung ist im besten Fall den sogenannten Hilfen zur Erziehung, also den erzieherischen Hilfen nach dem SGB VIII/Kinder- und Jugendhilfe, vorgeschaltet. Durch die frühzeitige Intervention sollen akute Problemlagen erfasst und eingedämmt werden.
Bei Melanie und David haben fünf Beratungsgespräche mit Anne Lorth über ein halbes Jahr verteilt ausgereicht, um die verzwickte Lage wieder einzupendeln. Die Spannung zwischen den beiden ist aufgelöst. In der Beratung haben sie gelernt, einen Schritt zurückzutreten und den Bedürfnissen des Gegenübers Raum zu geben. Ständige Vorwürfe sind einem gegenseitigen Verständnis gewichen. Ihr wöchentlicher Austausch fällt jetzt viel ruhiger und konstruktiv aus. Unlängst haben sich die Eltern sogar auf ein neues Wechselmodell geeinigt, das allen Seiten deutlich besser gefällt. „Seitdem erleben uns die Kinder als Eltern wieder deutlich entspannter und harmonischer", sagt Melanie. „Das färbt spürbar positiv auf sie ab. Und das war uns von Beginn an das Wichtigste", sagt Melanie. Sie und David haben es geschafft: Sie sind endlich wieder Teamplayer. Für sich und ihre Kinder.
Die Sprechzeiten der Familienberatung sind montags bis mittwochs von 9.30 bis 16 Uhr, donnerstags bis 17.30 Uhr und freitags bis 12.30 Uhr. Eine telefonische Kontaktaufnahme ist unter 0 21 51 / 86 30 07 möglich, per Mail ist das Team über familienberatung@krefeld.de erreichbar. Die Angebote sind grundsätzlich freiwillig, vertraulich und unterliegen der Schweigepflicht.