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Schulsozialarbeiter Alexander Ölz: Sein Versprechen lautet Respekt
Veröffentlicht am: 27.03.2025
Respekt ist Alexander Ölz' wertvollste Währung. Danach hat er schon immer sein auffallend offenes Menschenbild ausgerichtet. Die Wertschätzung des Gegenübers ist auch das stärkste Leitmotiv für seinen Arbeitsalltag. Alexander Ölz ist Schulsozialarbeiter an der Gesamtschule Uerdingen. „Mein Job ist es, den Weg mit den Jugendlichen zu gehen, aber nicht vorzugeben. Ich gebe Empfehlungen ab, die Entscheidungen treffen die Schülerinnen und Schüler immer selbst", sagt er. Diese Haltung fordert ihm ein vorurteilfreies Grundvertrauen ab. Und sie bestärkt die Jugendlichen in ihrer Selbstständigkeit. Wenn sie sich erst auf die Zusammenarbeit einließen, verrät der routinierte Schulsozialarbeiter, dauere die Beratung meist bis zum Ende der Schulzeit an. Sein Versprechen: „Wenn die Schülerinnen und Schüler es möchten, stehe ich immer an ihrer Seite."
Alexander Ölz berät beim Übergang und Schulabsentismus
Seit 2017 arbeitet der 39-Jährige an der Gesamtschule Uerdingen. Er ist als Schulsozialarbeiter bei der Kommunalen Zentralstelle für Beschäftigungsförderung der Stadt Krefeld angestellt. Mit ihm bilden zwei weitere Kolleginnen des Landes NRW das Sozialarbeiterteam an der Gesamtschule. Dieser duale Aufbau von Land und Kommune als Arbeitgeber ist in Nordrhein-Westfalen üblich. Alexander Ölz betreut die jeweils sechszügigen neunten und zehnten Jahrgangsstufen. Seine Fachgebiete hier fügen sich passenderweise in die Domäne der Zentralstelle für Beschäftigungsförderung ein: Er ist für den Übergang von Schule in den Beruf und das Problem des Schulabsentismus zuständig.
Alexander Ölz teilt sich an der Gesamtschule ein Büro mit der zuständigen Abteilungsleitung und dem Beratungslehrer. Diese räumliche Nähe begünstigt eine engmaschige Kooperation. Grundsätzlich aber bewegen sich alle Beteiligten in einer Art Spannungsfeld. Bei problematischen Fällen argumentiert und wirkt die Schule aus anderen Perspektiven heraus, als Alexander Ölz dies als Teil der Jugendhilfe tut. „Die pädagogischen Interessen der Gesamtschule Uerdingen sind aber deckungsgleich mit meinen. Das gesamte System greift hier ineinander. Das Leitbild der Schule stellt das Wohl des Schülers immer in den Mittelpunkt", erklärt Alexander Ölz. Der gebürtige Krefelder hat Soziale Arbeit studiert, dann in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit zu arbeiten begonnen, ehe er in die Schulsozialarbeit wechselte.
Freiwilligkeit, Neutralität und Verschwiegenheit
Auch nach acht Jahren ist kein Tag wie der andere. „Diese Abwechslung macht mir bis heute großen Spaß. Ich muss in meiner Arbeit sehr flexibel sein. Jugendliche drücken ihre Rückmeldungen zudem sehr direkt und umgehend aus, in positiver wie negativer Hinsicht", erzählt Ölz. Manche Jugendliche konsultieren ihn von sich aus, in anderen Fällen macht die Schule den Sozialarbeiter auf brenzlige Fälle aufmerksam, zum Beispiel bei hohen Fehlzeiten oder wenn der Abschluss gefährdet ist. Im Erstaufschlag unterbreitet Alexander Ölz den betroffenen Schülern ein ganz grundsätzliches Hilfsangebot. Dies basiert immer auf Freiwilligkeit, Neutralität und Verschwiegenheit.
Nicht selten betritt Alexander Ölz in der Zusammenarbeit eine sehr persönliche Sphäre seiner Schüler, die meist zwischen 14 und 16 Jahren alt und mithin in einer sensiblen, nicht geradlinig verlaufenden Entwicklungsphase sind. Beispiel Schulabsentismus: Ölz beobachtet, dass die Unterrichtsverweigerung meist nur ein Symptom ist. Dahinter verbirgt sich eine weitreichende Problematik, etwa eine Suchterkrankung, familiäre Ausnahmesituationen oder Stress mit Freunden. Sein Ziel ist es, die Schüler wieder langfristig an die Schule zu binden. Manchmal reicht eine neue Tagesstruktur bei den Jugendlichen aus, manchmal ebnet eine zeitweilige Kurzzeitbeschulung die dauerhafte Rückkehr. Auch hier muss Alexander Ölz zwischen Interessen der Schule und Jugendlichen ausbalancieren. Nicht immer gelingt ein Zugang. Manche Schüler entziehen sich der Unterstützung. Auch das gehört zu Ölz' Job als Schulsozialarbeiter. Auch das respektiert er.
Stärken in den Vordergrund stellen
In seinem zweiten Zuständigkeitsbereich begleitet er die Schulabgänger nach der neunten oder zehnten Klasse. Für viele Jugendliche bedeutet der Übergang ins Berufsleben einen echten Umbruch, der gelegentlich in eine Orientierungslosigkeit führt. Auch hier unterstützt Alexander Ölz, wobei ungleich mehr Schüler diese Hilfe aktiv beanspruchen als beim Thema Schulabsentismus. In den Beratungen stecken beide Seiten berufliche Ziele ab, erstellen Bewerbungsunterlagen und skizzieren die nächsten Schritte hin zum Berufskolleg oder zur Ausbildung. Alexander Ölz lenkt die Schüler dabei jedes Mal explizit zu ihren Stärken. Eine Methode, die auch zum Wesenskern der Kommunalen Zentralstelle für Beschäftigungsförderung gehört. „Viele junge Menschen sind sich ihrer Stärken und Talente überhaupt nicht bewusst. Ich versuche, den Blick immer auf das Positive zu richten", sagt Ölz.
Die Einzelfallhilfe leistet er meist im schulischen Rahmen. Manchmal verlegt er die Gespräche aber auch in den Park oder zu den Jugendlichen nach Hause. „Es ist wichtig, dass sich die Schülerinnen und Schüler in einem angenehmen, sicheren Raum wiederfinden", sagt Ölz. „Ich möchte ihnen vermitteln, dass vermeintliche Niederlagen nicht als solche wahrgenommen werden, sondern als Erfahrungsgewinn, um daran zu wachsen." Alexander Ölz schöpft in seinem Job viel Dankbarkeit, insbesondere aus kleinen Gesten. Gelegentlich besuchen ihn ehemalige Schüler, die längst junge Erwachsene sind und ihn nach Jahren der Funkstille erneut um einen Rat bitten. Zuletzt wurde er auf dem Schulhof von einem Schüler abgepasst. Er wollte seinen Freunden Alexander Ölz vorstellen. Den Mann, der ihm gerade erst zu einer erfolgreichen Bewerbung verhalf.